Die Nasalierungsmethode

Von Johannes Pahn und Elke Pahn

Vorwort


Warum eine neue Methode der Stimmtherapie und Stimmbildung? Existieren nicht weltweit bereits genug davon? Im Übrigen schaffen sich doch viele Therapeuten und Stimmbildner ohnehin ihre eigene. Zur Entkräftung dieser Tatsache bedarf es eines starken Arguments. Wir hoffen, dass die praktische und wissenschaftliche Erfahrung zweier Berufsleben für die Stimme und Sprache diesem Anspruch genügen kann.

 

Der Vorrang in dieser Erfahrung gebührt der Therapie. Das Wissen von der Erkrankung schärft den Blick für Anzeichen einer Störung im Gesunden und wird so zum Lehrmeister der Stimmbildung. Das Besondere dieser Lehre liegt in Störungen des Gebrauchs, die allein Übungsverfahren zugänglich sind und die sehr unterschiedlich verursacht auch unterschiedlich verlaufen. Diese erfordert analog der Palette der Organtherapie und der Psychotherapie auch unterschiedliche Übungskonzeptionen, die in der Regel dem akustischen Erscheinungsbild einer Stimmstörung nicht ohne weiteres zu entnehmen sind. Die Nasalierungsmethode unterscheidet unter dem Aspekt der Übungstherapie zwischen mehreren Gebrauchsstörungen und eröffnet damit für Übungsverfahren ein breites, farbiges Betätigungsfeld. Sie steht nicht im Widerspruch zur funktionellen Betrachtungsweise von Stimme und Sprache, sondern bringt System in eine bereits lange praktizierte Realität, nach der sich nicht jede dieser Störungen mit den gleichen Übungen beheben lässt.

 

Auf den Weg gebracht wurde diese Diskussion allerdings 1935 durch Desider Weiss im logopädischen Ambulatorium der Wiener Universitäts-HNO-Klinik mit der Formulierung: „Bei einer funktionellen Störung ist die Verwendung, aber nicht die Verwendungsfähigkeit der Organe gestört.“ Das Ambulatorium stand unter der Leitung von Emil Fröschels, dem Schöpfer des Begriffes „Logopädie“.

 

Nach heutigen Erkenntnissen muss die Definition von Desider Weiss dahingehend erweitert werden, dass die Verwendungsfähigkeit der Organe auch gestört sein kann. Zum Beispiel behindert eine funktionelle Störung den Gebrauch unbeschädigter und beschädigter Organe gleichermaßen durch eine unökonomische oder unangepasste instrumentale Technik. Sie kann sowohl allein bestehen als auch Ursache und Folge einer organischen oder psychischen Schädigung sein.

 

Es bleibt zu hoffen, dass die Erfahrungen und Resultate mit dieser Methode die Diskussion zum Begriff des Funktionellen in der Stimm- und Sprachtherapie neu beleben werden.

 

Ein besonderer Dank gebühren Prof. Dr. Wilhelm Vieregge, Dr. Hans-Joachim Radü und Jens Radü für kritische, anregende und bestätigende Hinweise. Nicht zu vergessen sind die geduldigen Sekretärinnen, Frau Zipperling und Frau Maaß, die sich auch durch wiederholte Erweiterungen und Überarbeitungen nicht abschrecken ließen, das Manuskript in eine leserliche Form zu bringen.

 

Eine wertvolle Unterstützung bot die Hochschule für Musik und Theater Rostock mit ihrem hervorragenden Tonstudio, in dem Carsten Storm die beiliegenden drei CDs in professioneller Qualität erstellte. Als sehr positiv hat sich das Engagement meiner Tochter Claudia durch ihren Einsatz und ihre belebende Mitwirkung im Kursprogramm zur Methode erwiesen. Schließlich kann kein noch so gutes Buch die Weitergabe durch Mitstreiter mit profundem Wissen und praktischen Erfahrungen ersetzen.

 

Ein großes „Danke“ richtet sich schließlich an meine Frau und Mitautorin für viele Ideen zur praktischen Umsetzung der Theorie sowohl für die Therapie phoniatrischer Patienten als auch für Studenten der Hochschule für Musik und Theater auf der Ebene der Stimmbildung und Sprecherziehung sowie für Redner, Schauspieler und Sänger während der Ausübung ihres Berufes.

 

Johannes Pahn