Die Nasalierungsmethode

Von Johannes Pahn und Elke Pahn

Teil II: Praktische Übungen der Sprechstimme

4.1      Allgemeines Ziel

4.2      Allgemeine Hinweise zur Durchführung



4         Nasalierungsübungen

4.1      Allgemeines Ziel

 

Jede Hebung des Kehlkopfes bei Phonation bedeutet eine Spannbehinderung der Stimmlippen und damit unökonomische Funktionsabläufe. Sie erzeugen Stimmermüdung und Heiserkeit. Alle kehlkopfhebenden Kräfte bei Phonation müssen deshalb ausgeschaltet werden. Mit der Erschlaffung des Gaumensegels wird zwangsläufig auch die kehlkopfhebende Muskulatur entspannt (obere Kehlkopfaufhängung). Der Kehlkopf bleibt bei Phonation in Atemstellung und gleitet nicht nach oben. Diese Beibehaltung der Atemposition ist Voraussetzung für eine ökonomische Phonation. Sie muss erst einmal unter einfachsten Bedingungen ohne Artikulation und Resonanzformung erreicht und dann bei wachsenden Schwierigkeiten der Phonation und Artikulation erhalten werden. Bei rein usogenen Dysphonien wird die Stimme in der Regel von der ersten Übung an völlig sauber, klar, ohne Heiserkeit und geräuschhafte Überlagerungen klingen. Kommen psychogene oder organogene Sekundärreaktionen oder Komponenten hinzu, so klingt die Stimme sofort zunächst deutlich besser.

Bei Dysphonien anderer Ätiologie mit usogener Komponente oder Sekundärreaktion klingt die Stimme wenigstens etwas besser.

 

 

4.2      Allgemeine Hinweise zur Durchführung

 

Übungsraum

 

Anfangs ist zur Therapie und Ausbildung der Stimme ein halliger Raum sinnvoll, um mit der starken Resonanz das Erfolgserlebnis einer guten Stimme zu verstärken und den Übungsteilnehmer zu stimulieren (Badezimmereffekt). Später sind zur Konzentration auf stimmliche Feinheiten hallgedämmte Wände wichtig. Bei bereits guter Stimmtechnik und sehr kritischem Hören bewähren sich hin und wieder auch Übungen bei sehr starker Halldämmung oder im Freien.

Es gilt: Je stärker die Halldämmung, desto besseres analytisches Hören, aber umso geringere resonatorische Unterstützung durch Raumimpedanz und damit Erschwerung der Phonation.

 

Übungsablauf

  • Übung anfangs im Stehen, später auch im Sitzen und Gehen
  • Übungsbeginn vor der Stimmatmung
  • Übung nur bei guter Entspannung im Bereich der Artikulations- und Stimmmuskulatur. Wenn sie nicht ohne weiteres erreichbar ist, muss das AT vorangehen.
  • Die Übungsanforderung berücksichtigt drei Leistungsebenen:
    Ebene 1: Erklärende Einführung bis zum richtigen Vollzug durch Nachahmung
    Ebene 2: Wechselspiel zwischen Übungsteilnehmer und Übungsleiter in Variationen zur Automatisierung. Dabei entstehen vielfältige rhythmische und melodische, wiederkehrende und sich abwandelnde Formen, die musikalische und instrumentale Elemente hervorheben. Die Übungen muten wie ein stimmliches Ballwerfen und -fangen an.
    Ebene 3: Vorführung der Übung durch den Übungsteilnehmer ohne Vormachen und Starthilfe durch den Übungsleiter

Übungshilfen

  • Wichtigste Hilfe ist das Tonbandbeispiel. Aufnehmen und Abhören aller Übungen bedeutet Hörtraining und damit Stabilisierung der Übungsergebnisse. Trotz der dazu aufgewendeten Zeit wird die gesamte Therapie- oder Ausbildungsdauer entscheidend verkürzt. Zum vergleichenden Hören muss neben dem Übungsteilnehmer auch der Übungsleiter immer mit aufgenommen werden. Die Tonbandaufnahme kann zum häuslichen Training mitgegeben werden, um ein wiederholtes kritisches Auswerten zu ermöglichen.
  • Ein kleiner Handspiegel ermöglicht die Beobachtung von Mund und Hals. Ein großer Spiegel im Übungsraum erlaubt die Beobachtung von Haltung, Stütz- und Atembewegungen.
  • Einige Hilfen sind durch Tastkontrolle der Hand möglich. Sie werden in den speziellen Hinweisen dargestellt.
  • Eine Hörhilfe bietet sich durch Anlegen der gewölbten Handfläche an die Ohrmuschel zum besseren gerichteten Auffangen des Stimmschalles an. Der Raumeinfluss wird damit verringert und das direkte Hören der eigenen Stimme über die Luftleitung verbessert.
  • Eine Hörhilfe mit ähnlicher Wirkung besitzt das Halten der Handfläche vor den Mund mit Öffnung des Schallweges zu einem Ohr.