Die Nasalierungsmethode

Von Johannes Pahn und Elke Pahn

Rezensionen

Prof. Dr. Dr. h.c. M. Ptok

Medizinische Hochschule Hannover, Direktor der Klinik

und Poliklinik für Phoniatrie und Pädaudiologie

September 2002

 

Es gibt viele Bücher, die sich mit dem Thema „Störungen der Sprech- und Singstimme“ befassen. Das Werk „Die Nasalierungsmethode“ ragt unter diesen Büchern gleich aus mehreren Gründen deutlich hervor.

 

Zunächst einmal wird hier der gesamte Erfahrungsschatz eines seit mehreren Jahrzehnten äußerst erfolgreichen Phoniaters ausgebreitet. Dies betrifft aber nicht nur die sorgfältige Beschreibung der von Johannes Pahn entwickelten Nasalierungsmethode. Auch unter funktionellen Gesichtspunkten wird auf die zugrunde liegende Anatomie und Physiologie eingegangen. Gerade die enge Kopplung von Organ- und Funktionsbeschreibung ist es, die dieses Buch spannend wie einen Krimi macht. Die konzept- bzw. hypothesengeleiteten Vorstellungen werden anhand sehr großer retrospektiver Fallzahlen verifiziert.

 

Es wird nun Aufgabe der nachrückenden Phoniatergeneration sein, in weiteren prospektiven Studien diesem Gedankengut den ihm gebührenden Platz in der Wissenschaft zu verschaffen.

 

Für alle, die im Bereich Sprech- und Singstimmstörungen tätig sind, ist dieses Werk eine nahezu unerschöpfliche Quelle für Ideen und Anregungen, insbesondere ist es ein unverzichtbares Muss für jede Fachbibliothek.



Hermann J. Künzel

Marburg/Lahn, August 2002

 

Der Leser einer sprachwissenschaflichen Zeitschrift mag sich zunächst über die Rezension eines in erster Linie für Mediziner, und zwar Phoniater und Stimmtherapeuten geschriebenes Buch wundern. Er kann jedoch versichert sein, dass sich die Lektüre insbesondere des hier schwerpunktmäßig zu behandelnden ersten Teils des Werkes („Theroretische und methodische Grundlagen“) sowohl für den theoretisch als auch den empirisch-experimentell interessierten Linguisten, und speziell für den Phonetiker, allemal lohnt. Die Teile II und III befassen sich mit in Jahrzehnten entwickelten und erprobten praktischen Übungen zur Sprechstimme bzw. zur Singstimme, wobei die enge Wechselbeziehung zwischen beiden und die von daher gebotene gleiche methodische Grundkonzeption der Übungsbehandlung betont wird. Teil IV enthält Übungen zum Hörtraining. Dies geschieht vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass die individuelle auditive Sensibilität eines Patienten den Erfolg einer Stimmtherapie wesentlich bestimmt, ja geradezu eine „begrenzende Schwelle“ (S. 296) desselben darstellt. Wird daher beim stimm gestörten Patienten mit Hilfe der dargestellten Tests eine niedrige auditive Sensibilität ermittelt, wird konsequenterweise zunächst ein spezielles Hörtraining zur Schaffung der Voraussetzung für eine erfolgreiche Stimmtherapie durchgeführt. Die wörtliche Begründung der Autoren ist nicht nur für den Phoniater von Bedeutung, sonder sollte auch von dem modernen, stark instrumentell-apparativ orientierten Phonetiker und Linguisten beherzt werden: „Sprechen und Singen sind für das Ohr bestimmt. Weder Technik noch andere Sinne vermögen diese Funktion besser zu überwachen“ (S. 296).

 

Das Werk enthält die Summe der „praktische[n] und theoretische[n] Erfahrung zweier Berufsleben für die Stimme und Sprache“ (S. 5) in Hinsicht auf die Behandlung von Stimmstörungen, wobei eindeutig funktionelle Störungen im Vordergrund stehen. Von zentraler Bedeutung ist dabei für die Autoren eine Erweiterung des auf den FRÖSCHELS-Schüler DESIDER WEISS zurückgehenden Begriffs des Funktionellen: Während jener davon ausging, dass „bei einer funktionellen Störung [...] die Verwendung, aber nicht die Verwendungsfährigkeit der Organe gestört [ist)“ (S. 5), halten PAHN und PAHN aufgrund ihrer Erfahrung eben diese Einschränkung für falsch (siehe dazu weiter unten).

 

Der Titel „Die Nasalierungsmethode“ ist zunächst – zumindest für den an der linguistischen Terminologie orientierten Leser – unverständlich, zumindest aber missverständlich und wird eigentlich erst nach Lektüre des Kapitels 1 deutlich. Die Definition von „Nasalierung“ erscheint unorthodox, umständlich und mehrdeutig. Dies liegt insbesondere an der teilweisen Gleichsetzung mit Begriffen wie „Nasalität“ und „offenem Näseln“. Wörtlich heißt es: „Nasalierung bedeutet Resonanzeinstellung bei Vokalen und Nasalkonsonanten, die zwischen Nasalität und offenem Näseln liegt. Sie entsteht durch Herabsetzen der Spannung des Gaumensegels. Alle anderen Sprachlaute bleiben weitgehend unberührt. Als Nasalität ist die Veränderung insofern zu bezeichnen, weil nur Vokale und Nasalkonsonanten betroffen sind, als offenes Näseln wiederum durch die über dem allgemeinen Sprachgebrauch liegenden Nasalitätsgrade der Vokale, ausgenommen das norddeutsche Platt“ (S. 18). Diese eher als Umschreibung denn als Definition zu bezeichnende Darstellung – der erste Satz hätte m. E. völlig ausgereicht – ist sicherlich nicht nur in systematischer, phonetischer und dialektologischer, sondern auch sprachlicher Hinsicht kritikwürdig. Sie war jedoch hier in voller Länge wiederzugeben, weil sie Voraussetzung für das Verständnis des „Nasalierungsprinzips“ als Grundprinzip der „Nasalierungsmethode“ ist, die sich vereinfacht folgendermaßen herleiten lässt (S. 18 ff.): Die klinische Beobachtung zeigt, dass alle den Kehlkopf hebenden Kräfte sich ungünstig auf die Stimmfunktion auswirken, und die meisten Stimmstörungen sind mit einer Hebung des Kehlkopfes aufgrund einer Kontraktion seiner oberen Aufhängemuskulatur verbunden. Über die Hebung des Zungenbeins wird dabei auch der Schildknorpel angehoben, wodurch wiederum die für das Sprechen und Singen erforderliche (Grob-) Spannung der Stimmlippen vermindert wird. Bei Über- bzw. Fehlbelastung der Stimme wird die Hebungstendenz noch verstärkt, so dass sich ein Circulus vitiosus ergibt und eine Stimmstörung als zwangsläufige Folge entsteht. Das erste Ziel der Therapie muss daher in der Ausschaltung der kehlkopfhebenden Kräfte bestehen, und genau dieses lässt sich nach der Erkenntnis der Autoren aufgrund der physiologischen Kopplung von Velum und Kehlkopf und ihres „reflektorischen Zusammenspiels“ durch das „Nasalieren“ im oben definierten Sinne erreichen. Das Ziel der ersten Übungen besteht darin, die Tiefstellung des Kehlkopfes, wie sie für das Atmen typisch und für gutes Sprechen und Singen wünschenswert ist, zunächst auch bei nasalierten Vokalen zu erreichen bzw. aufrechtzuerhalten. Für das Training der Sprechstimme sind fünf, für das der Singstimme zehn Schwierigkeitsstufen vorgesehen, die jeweils durch passende Hörübungen zu kontrollieren sind. Nach Erlernen der Entkopplung der Kehlkopfhebung von der Bewegung des Velums wird die Nasalierung mittels anderer Übungen schließlich wieder „verlernt“. Der Schüler/Patient kann wegen der Auffälligkeit des nasalen Klangs den Erfolg der eingetretenen Änderung gut selbst kontrollieren. Das Nasalierungsprinzip lässt sich sogar in der Diagnose einsetzen, nämlich bei der Beantwortung der Frage, ob eine gegebene Stimmstörung auf Kehlkopfhebung beruht oder nicht. In Anbetracht der überragenden therapeutischen und diagnostischen Potenz der „nasalierten Vokalklänge“ haben schließlich die Autoren pars pro toto der von ihnen propagierten Methode den Namen „Nasalierungsmethode“ gegeben (S. 23).

 

Eine ausführliche Beschreibung des physiologisch-anatomischen Verhältnisse in Kehlkopf und Hals wird in Kapitel 3 geliefert. Hier findet der nicht-medizinische Leser eine detaillierte und gut illustrierte Beschreibung der Registerbildung beim Sprechen und Singen. Dieses Thema beschränkt sich in phonetischen Werken häufig auf die grobe Unterscheidung in Brust- und Kopfregister (Modalregister; PAHN und PAHN sprechen hier in Anbetracht der muskulären Verhältnisse lieber von Voll- und Randregister). Hier jedoch werden auch die primär beim Singen benutzten, vorwiegend durch unterschiedliche Feinspannung innerhalb des Kehlkopfes erzeugten Register bis hin zum Jodeln im Einzelnen dargestellt. Ebenfalls von Interesse für den nicht-medizinischen Leser ist die ausführliche Darstellung der Besonderheiten der Stimmfunktion und ihrer typischen Störungen in den verschiedenen Lebensaltersstufen (S. 35-38). Für den Therapeuten ist sie von wesentlicher Bedeutung bei der Erstellung der Therapiekonzeption.

 

Die Nasalierungsmethode wird von drei Prinzipien der Betrachtung des Sprechens und Singes geprägt: 1. der Ökonomie im Sinne eines optimalen Verhältnisses von Aufwand und Wirkung der Stimme für den jeweiligen Einsatz; 2. der Instrumentalität der Stimme, die durchaus in Analogie zu einem Musikinstrument zu sehen ist, das jemand mehr oder weniger gut beherrscht bzw. einsetzt; 3. der Übungs und Therapiekonzeption, die für jeden Einzelfall einer Dysfunktion auf der Basis einer sorgfältigen Diagnostik zu erstellen ist. Hinzu kommt das Moment einer „Balance der körperlichen und seelischen Spannung“, die insbesondere für das Erreichen hoher individueller („virtuoser“) Leistung erforderlich ist (S. 41 f.).

 

Innerhalb dieses begrifflichen Rahmens wird der Bereich der „funktionellen“ Störungen neu definiert. Die gängigen etablierten Definitionen werden als unscharfe Sammelbegriffe ätiologisch heterogener Phänomene kritisiert. Auch die auf J. PERELLO zurückgehende Einteilung in hyper- und hyperfunktionell für nicht primär organische Störungen wird für Diagnose und Therapie nicht als adäquat betrachtet, weil sie nur einen Teil der möglichen Störungen umfassen bzw. sogar bei demselben Patienten gleichzeitig vorkommen kann. Die Autoren plädieren vom therapeutischen Standpunkt aus für eine Einteilung der Dysfunktionen in drei Kategorien: organogene, psychogene und sog. usogene, also „gebrauchsbedingte“. Der letztgenannte Begriff wird hier eingeführt und stellt sicherlich eine sehr nützliche Neuerung dar, insbesondere in Anbetracht der großen Zahl von Fällen, die unter diese Kategorie zu fassen sind (als diagnostischer Test wird wiederum das oben erwähnte Nasalitätsprinzip eingesetzt). Als Ursache können hier Überbelastung, mangelhafte Technik, Nachahmung falscher Techniken (insbes. bei Kindern), falsche/fehlende Anpassung bei bestehenden Schädigungen im Stimmbereich, mangelnde perzeptorische bzw. motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten zugrunde liegen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass eine Dysphonie, vor allem eine länger dauernde, auch mehrere dieser Faktoren aufweisen kann. Hierdurch werden sicherlich hohe Anforderungen an den Diagnostiker bzw. Therapeuten gestellt.

 

Es folgen Beschreibungen der (Leit-)Symptome zahreicher Dysphonien, insbesondere durch Paresen der an der Stimmbildung beteiligten Muskeln. Einschlägige Tabellen erleichtern die Differentialdiagnostik. Im Anschluss daran werden zahlreiche Therapien vorgestellt (darunter allein vier für Larynxparesen). Einen Schwerpunkt stellt die von den Autoren seit 1970 praktizierte Anwendung von Reizstrom in Kombination mit der (Schwere der) vorliegenden Störung angepassten Stimmübungen dar (neuromuskuläre elektrophonatorische Stimulation, NMEPS), wodurch eine optimale regenerative Wirkung erzielt wird – vorausgesetzt, die nervliche Versorgung des betroffenen Muskels ist noch vorhanden (S. 72-84). Die generelle Frage, ob und inwieweit stimmliche Beschwerden einer Übungstherapie zugänglich sind, setzt wegen Ihrer Komplexität eine aufwendige Diagnostik voraus. Allein bei der Heiserkeit werden neun organische und sechs usogene Faktoren unterschieden (wobei wiederum die Hebung des Kehlkopfes als besonders gravierend angesehen wird). Die Übungsverfahren sind, wie man sich unschwer vorstellen kann, ebenfalls aufwendig: Bei Paresen sind im Durchschnitt 20, bei usogenen Dysphonien 40 Therapiesitzungen erforderlich. Andererseits kann der Nutzen einer optimalen angepassten Therapie bzw. umgekehrt: der Schaden bei Nichtbehandlung vieler Arten von Dysphonien aber auch außerordentlich groß sein: Bei nicht wenigen Patienten steht ihre weitere Berufstätigkeit, z.B. als Lehrer, Sänger oder Schauspieler, auf dem Spiel. Kein Wunder also, dass, wie die Autoren betonen, die Konfrontation der Patienten mit diesem Sachverhalt eine erhebliche Motivation zu der unbedingt erforderlichen aktiven Mitarbeit bei der Therapie bewirkt: „Es gibt wenige Krankheiten, deren Behandlung eine so intensive aktive Mitarbeit des Patienten erfordern wie die Stimme und Sprache“ (S. 100). Zur allgemeinen Abschätzung des Therapieerfolgs (S. 108-143) sind nicht nur körperliche Untersuchung und Anamnese, sondern auch die bereits an anderer Stelle erwähnte Abklärung und gegebenenfalls Verbesserung der auditiven und kineto-sensorischen Sensibilität erforderlich. Hierzu wurden von den Autoren drei Tests entwickelt, die inzwischen auch außerhalb des medizinischen Bereichs Anwendung gefunden haben (insbesondere der Sprachsensibilitätstest; siehe S. 133).

 

Wie eingangs erwähnt, enthalten die Teile II bis IV des Buches die zahlreichen praktischen Übungen für die unterschiedlichen Dysphonien der Sprech- und Singstimme sowie für das Hörtraining. Sie dürften allerdings für den Nicht-Mediziner, also auch den Sprachwissenschaftler, erst dann von vollem Nutzen sein, wenn dazu die Hörbeispiele auf den drei zusammen mit dem Buch angebotenen CDs benutzt werden.

 

Der Gesamteindruck wird ganz wesentlich von der praktisch auf jeder Seite zu erkennenden, enorm großen Erfahrung der Autoren im Umgang mit allen nur denkbaren Formen von Dysphonien geprägt. Sie sprechen selber von 20.000 Fällen, die sie im Laufe von 50 Jahren behandelt haben. Insofern ist das Werk ein einzigartiges Beispiel für die dauernde fruchtbare Verbindung von Therorie und Praxis, von Diagnose und Therapie. Der Sprachwissenschaftler findet in Teil I eine Fülle exakter anatomischer, physiologischer und medizinischer Informationen über die gesunde und gestörte Stimmbildung und zwar nicht nur beim Sprechen, sondern auch beim Singen – ein Modus der Stimmproduktion, der in der Linguistik, auch der Phonetik, im Allgemeinen zu kurz kommt.

 

Einige wenige Kritikpunkte sollen das Verdienst des Buches nicht schmälern. Bei vielen Abbildungen im ersten Teil vermisst man Legenden, die insbesondere auch bei komplexen anatomischen und physiologischen Zusammenhängen mittels Ziffern oder Buchstaben die Identifizierung der Einzelheiten hätten erleichtern können. Der hinsichtlich des Baues von Musikinstrumenten nicht vorgebildete Leser wird in Abb. 7 vermutlich nicht ohne Probleme den „Feinstimmer am Saitenhalter“ der Geige ausmachen. Bei Abb. 9 ist nur die Innervation der Kehlkopf-Spannmuskulatur zu erkennen. Es wäre aber informativ, auch den Verlauf der Muskeln selber einzuzeichnen, etwa so wie in Abb. 2a. Bei den oberen zwei Fotos in Abb. 32 vermochte der Rezensent beim besten Willen außer einer unterschiedlichen Vergrößerung keinen Unterschied zwischen falscher und richtiger „stimminstrumentaler Haltung“ beim Stehen zu erkennen. Ansonsten ist das Buch gut, ansprechend und technisch solide gemacht.


M. Spiecker-Henke

Bremen, April 2001

 

Die Nasalierungsmethode wurde in ihren Ansätzen bereits 1964 in der Arbeit „Der therapeutische Wert nasalierter Vokalklänge in der Behandlung funktioneller Stimmerkrankungen“ dargestellt. Jetzt liegt nach einer langen Zeit der Erprobung und Erfahrung eine Systematik dieser Methode in Theorie und praktischer Anwendung vor. Im Mittelpunkt stehen Übungen der Sprech- und Singstimme sowohl innerhalb der Therapie als auch der Stimmbildung nach den gleichen methodischen Grundlagen.

 

Im ersten Teil des Buches werden die theoretischen und methodischen Grundlagen des Nasalierungsprinzips beschrieben. Unter Nasalierung „wird eine Resonanzeinstellung bei Vokalen und Nasalkonsonanten verstanden, die zwischen Nasalität und offenem Näseln liegt. Sie entsteht durch Herabsetzen der Spannung des Gaumensegels“ (S. 18). Besondere Beachtung finden die muskulären Verhältnisse im Aufhängemechanismus des Kehlkopfes sowie die laryngealen Spannsysteme. Es werden die typischen Symptome der Stimme und Atmung aufgezeigt, die bei Schädigung durch Kehlkopfparesen auftreten und im Rahmen eines Gesamtkonzeptes therapeutische Möglichkeiten darstellt. Einschätzungen zur Prognose und zum Therapieerfolg runden diesen Teil ab. Als wesentliches Kriterium für einen Therapieerfolg wird die gesteigerte auditive und kineto-motorische Sensibilität des Patienten erachtet. Für diese Bereiche haben die Autoren spezielle Testverfahren entwickelt, die vorgestellt werden.

 

Der zweite Teil dieses Buches beinhaltet in drei Abschnitten anschaulich und gut strukturiert Übungen zur Sprechstimme mit einer Anzahl von vorbereitenden Übungen, bevor praktische Anleitungen zur Erlernung der Nasalierungsmethode folgen. Erleichtert wird die Erfassung der Übungsabläufe durch Darstellung grafischer Symbole. Übungen zur Erweiterung des Stimmumfangs und dessen Übertragung von der Sprechstimme auf die Singstimme erfolgen im 2. Abschnitt, während im letzten Teil dieses Buches rhythmisch-dynamische Elemente eines speziellen Hörtrainings aufgezeigt werden. Alle Übungen werden auf 3 CDs akustisch in hervorragender Qualität vermittelt, so dass es möglich ist, die Übungen nachzuvollziehen.

 

Das vorliegende Buch wird für diejenigen eine unverzichtbare Grundlage sein, die diese Methode in Kursen erlernen wollen bzw. in dieser Methode tätig sind. Das Buch erweckt Neugier und gibt Anregungen, wird aber nicht ohne praktische Anleitung die Nasalierungsmethode erlernbar machen können. Diese Ansicht teilen auch die Autoren: „Schließlich kann kein noch so gutes Buch die Weitergabe durch Mitstreiter mit prüfendem Wissen und praktischen Erfahrungen ersetzen“ (S. 5).


Kurt Bielfeld

April 2001

 

Die Autoren J. Pahn und E. Pahn stellen ein Übungsverfahren zur Therapie und Prophylaxe der Sprech- und Singstimme mit dem Titel „Die Nasalierungsmethode“ vor. Diese Methode – von J. Pahn entwickelt – wird wissenschaftlich begründet und Übungsmöglichkeiten werden in großer Zahl als praktische Umsetzung der Theorie angeboten. Dies gilt sowohl für die therapeutische Arbeit mit stimmgestörten Patienten als auch für die Stimmbildung und Sprecherziehung für Redner, Schauspieler und Sänger.

 

Die Autoren verweisen darauf, dass die „Nasalierungsmethode“ unter dem Aspekt der Übungstherapie zwischen mehreren Gebrauchsstörungen der Stimme unterscheidet. Sie eröffnet damit für Übungsverfahren ein breites Betätigungsfeld und steht nicht im Widerspruch zur funktionellen Betrachtungsweise von Stimme und Sprache, sondern bringt eher das System in eine bereits lange praktizierte Realität, wonach sich nicht jede dieser Störungen mit den gleichen Übungen beheben lässt.

 

Das vorliegende Buch gliedert sich in vier Teile von unterschiedlichem Umfang. In Teil 1 wird zunächst das Nasalierungsprinzip erklärt. Stimmtechnische und übungstherapeutische Schwierigkeitsstufen für den Bereich der Sprech- und Singstimme werden dargestellt. Terminologische Grundlagen, wie funktionell, psychogen, usogen werden definiert. Ein weiteres Kapitel widmet sich den anatomischen Grundlagen des Spannsystems des Kehlkopfes sowie möglichen Schädigungen. Als nächstes werden therapeutische Möglichkeiten bei Larynxparesen dargestellt und die Position der Übungsbehandlung im Rahmen der Gesamttherapiekonzeption wird ausführlich erläutert. Dieser Teil schließt mit einer Einschätzung der Prognose und des Therapieerfolges. Als wesentliche Kriterien für die Beurteilung des Therapieerfolges werden die Erhebung des Stimmstatus, der Test der Sensibilität formaler sprachlicher Elemente im Hinblick auf Perzeption und Produktion und die Überprüfung der Senso-Kineto-Motorik der Sprechfunktion genannt.

 

Teil 2 dieses Buches wendet sich den praktischen Übungen für die Sprechstimme zu. Sehr ausführlich werden hier vorbereitende und begleitende Übungen (autogenes Training, Gymnastik, Stimmatmung u.a.) und Übungen zur allgemeinen Lockerung von Kehlkopf, Rachen und Mundbereich (Trink- und Gähnübungen, Stau- und Lippenflatterübungen) dargestellt. In einem weiteren Kapitel werden Nasalierungsübungen angeboten, Hinweise für die Durchführung gegeben und Zielsetzungen erläutert. 40 Sprechstimmübungen werden grafisch dargestellt. Der letzte Teil dieses Kapitels gilt dem berufsbezogenen Sprechen. Ziel dieser Übungen ist es, die erlernte Stimmtechnik auch unter Berufsstress anwendbar zu machen.

 

Im Teil 3 werden praktische Übungen für die Singstimme vorgestellt. Es wird darauf verwiesen, dass die Wurzeln der Singstimmen eindeutig in der Singstimmtherapie liegen. Sie bilden die Basis der Singstimmbildung, jedoch wird auf die künstlerische Erarbeitung von Gesangsliteratur verzichtet, da dieses eine Aufgabe des Gesangspädagogen ist. Viele Übungsbeispiele werden angeführt.

 

Teil 4 rundet diese Werk mit der Darstellung eines praktische Hörtrainings für allgemein musikalische Elemente ab. Bei Patienten mit niedriger auditiver Sensibilität bildet das selektive Hörtraining für allgemein musikalische Elemente, für Rhythmus und Dynamik die Voraussetzung für Übungserfolge. Praktische Übungen werden in Noten dargestellt.

 

Insgesamt umfasst die Vielzahl der aufgeführten praktischen Übungen rund zwei Drittel dieses Buches. Stets werden die Übungsziele angegeben und Hinweise zur praktischen Durchführung angeboten. Die vorgestellten Übungen werden auf drei CDs dokumentiert, die dem Buch beigefügt und im Kaufpreis enthalten sind. Sie besitzen eine sehr gute Tonwiederagbe und unterstützen das Verständnis für das Anliegen der Autoren.

 

Dem Leser dieses Buches wird deutlich, dass er ohne eine praktische Anleitung durch einen erfahrenen Therapeuten diese schriftlich dargestellten Stimmübungen kaum erlernen bzw. anwenden kann. Die Autoren weisen auf Schwierigkeiten hin, die bei der therapeutischen Arbeit entstehen können, wie z.B. in der Haltung, in der muskulären Spannung, in der psychischen Spannung, in der Koordination von mehreren Bewegungsabläufen, im Hören oder in der Befolgung der Übungsschritte. Es stellt sich die Frage, ob und in welcher Form dieses vorliegende Werk den in der Praxis tätigen Stimmtherapeuten nützt, bzw. seine Arbeit fördert. Dazu ist zu sagen, dass niemand, der bisher nicht in der Nasalierungsmethode von J. und E. Pahn ausgebildet wurde, allein anhand dieses Buches die dargestellt anspruchsvolle Stimmtherapie durchführen kann. Das Buch ist jedoch die Grundlage dieser Ausbildung, es fordert mit neuen Ansätzen dazu auf und erweitert das Verständnis für die Entstehung und Therapie von Stimmstörungen.

 

Für den, der mit dieser Methode vertraut bzw. bereits ausgebildet ist, bietet sich die Möglichkeit, die wissenschaftlichen Grundlagen nachzuvollziehen und durch die umfangreiche Sammlung von Therapiebeispielen Anregungen zu erhalten. Sie ermöglichen es, die Stimmtherapie abwechslungsreich zu gestalten, was sich motivierend auf die Mitarbeit der Patienten und damit auf den Therapieerfolg auswirkt.


Sören Raßbach

Halle, März 2001

 

Der Terminus „Nasalierungsmethode“ beinhaltet ein Stimmübungsverfahren zur Therapie von gestörten Stimmen und zur Stimmbildung. Die Grundidee wurde inhaltlich erstmals im Jahre 1964 durch die Arbeit „Der Therapeutische Wert nasalierter Vokallänge in der Behandlung funktioneller Stimmerkrankungen“ von Johannes Pahn belegt. Im Vordergrund der zu besprechenden Publikation steht die medizinisch-phoniatrische Betrachtung des Stimmübungsfeldes.

 

Im ersten Teil des Buches werden theoretische und methodische Grundlagen, ausgehend von terminologischen Aspekten über das Spannsystem des Kehlkopfes bis hin zur Therapie von Larynxparesen sehr ausführlich und anschaulich erörtert. Zur Einschätzung der Prognose und des Therapieerfolges entwickelte Pahn den „Test der Sensibilität formaler spachlicher Elemente im Hinblick auf Perzeption und Produktion“. Mit diesem Prüfverfahren ist es möglich, unabhängig von der Ätiologie einer Störung Aussagen zum Therapieverlauf und zur auditiven Sensibilität des Patienten für stimmsprachliche Merkmale zu treffen.

 

Im zweiten Teil folgen effektive Übungen für die Sprech- und Singstimme sowie Ziele und Durchführungen der Nasalierungsmethode. Praktisches Hörtraining von melodischen, rhythmischen und dynamischen Sprachbewegungen finden im vierten Teil ihre Anwendung. Eine nützliche Ergänzung bieten die drei mitgelieferten CDs, welche die Schwerpunkte (Nasalierungsmethode, Sensibilitätstest, Hörtrainingsprogramm) auditiv prägnant verdeutlichen. Das Buch wendet sich insbesondere an Logopäden, Sprechwissenschaftler sowie Sprachheiltherapeuten und ist durch die erstmals vollständige Beschreibung der Pahn`schen Nasalierungsmethode besonders zu empfehlen.


Petra Rahm

Februar 2001

 

Die Autoren des Buches „Die Nasalierungsmethode“ stellen das von ihnen entwickelte Konzept zur Therapie und Prophylaxe von Störungen und Erkrankungen der Sprech- und Singstimme vor. Ziel der Publikation ist es, eine Verbindung zwischen dem Standpunkt der Medizin und den stimmlich engagierten Fachgebieten zu schaffen. Die langjährige Berufserfahrung der Autoren, u.a. in den Bereichen Medizin, Phoniatrie, Musik- und Sprecherziehung sowie die Ausbildung von Sängern, Rednern und Schauspielern bilden die praktische Grundlage der Nasalierungsmethode.

 

Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Im ersten Teil werden theoretische und methodische Grundlagen vorgestellt.

 

Dazu gehören:

  • Position- und Schwerpunkt-Bestimmung der Methode,
  • Terminologischen Grundlagen,
  • Darstellung des Spannungssystems des Kehlkopfes,
  • Therapie von Larynxparesen,
  • Position der Übungsbehandlung in der Gesamtkonzeption und
  • Einschätzung der Prognose und des Therapieerfolges.

Im zweiten Teil wird die praktische Umsetzung der Nasalierungsmethode vorgestellt, beginnend mit den Übungen der Sprechstimme. Dazu einleitend beschreiben die Autoren die grundsätzlichen Voraussetzungen für Therapeuten bzw. Übungsanleiter, die Art, Dauer und Dosierung der Übungen sowie indiziertes Verhalten bei Erkrankungen der oberen Atemwege des Patienten.

 

Der praktische Teil beinhaltet

  • Vor- und begleitende Übungen der Therapie,
  • Übungen zur allgemeinen Lockerung im Kehlkopf-, Rachen- und Mundbereich,
  • Nasalierungsübungen sowie,
  • Hinweise für den Therapeuten von Berufssprechern.

In den Teilen drei und vier werden die Übungen der Singstimme und das praktische Hörtraining angeleitet und visuell dargestellt.

 

Das Buch beinhaltet fundiertes und differenziertes Fachwissen, welches sehr anschaulich, oft anhand plastischer Beispiele, kompetent dargestellt wird. Dabei ist es den Autoren gelungen dieses Wissen unter Einbezug vieler Aspekte aus unterschiedlichen Fachbereichen und Therapiekonzepten darzustellen. Die Übungen im praktischen Teil sind klar in der Zielsetzung und Durchführung beschrieben. Viele davon sind auch anhand von Zeichnungen und Noten dargestellt. Ausgewählte Übungsbeispiele zum Hörtraining sind auf den beiliegenden CDs zu finden. Therapeuten dürften somit viele wertvolle Anregungen für die Praxis finden. Jedoch scheint dieses Buch nicht für Laien empfehlenswert, seine Informationsdichte fordert die Bereitschaft einer intensiven Auseinandersetzung mit der Materie. Zu vermissen bleiben da nur noch Kontaktadressen für Ausbildungsinteressenten.