Otto Körner – Arzt, Hochschullehrer und Forscher

Von Burkhard Kramp und Antje Jerecinski


Rezensionen

Dr. Joachim Lehmann

erschienen im Journal der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern,

Ausgabe Dezember 2010

 

Lesenswert!

Dem Buch ist anzumerken, dass uns die beiden Autoren begeistert einen der Großen ihres Faches nahe bringen wollen. Und der hat es verdient. War Otto Körner doch der erste deutsche Ordinarius für Ohren- und Kehlkopfkrankheiten und hiermit im Zusammenhang der Gründer der ersten HNO-Fachklinik Nord- und Mitteleuropas in Rostock.

 

Materialgesättigt und dabei gut lesbar erfahren wir nicht nur etwas über die Person, deren Vita und die wissenschaftliche Leistung. Gleichzeitig wird als Rahmen auch die Entwicklung des Faches umrissen. Zahlreicher Abbildungen unterstützen die im Text getroffenen Aussagen. Ein umfangreicher Anhang bietet eine Fülle zusätzlicher Informationen.

 

Kramp hat sich zum 65. Geburtstag mit dieser Biografie selbst eine Freude bereitet.

Ein lesenswertes Buch, geschrieben von Ärzten nicht nur für Ärzte.


Prof. H. Nizze, Rostock

erschienen im Ärzteblatt Mecklenburg-Vorpommern,

Ausgabe 5/2011

 

Otto Körner war Deutschlands erster Ordinarius für Ohren- und Kehlkopfkrankheiten. Er gründete in Rostock 1899 die erste deutsche selbstständige Universitätsklinik für Ohren-, Nasen- und Kehlkopfkrankheiten – die heutige Otto-Körner-Klinik in der Doberaner Straße. Sie war damals die erste und fortschrittlichste HNO-Fachklinik in Nord- und Mitteleuropa und erfreut sich dieser grandiosen Vergangenheit bis heute.

 

Das vorliegende Buch würdigt den Lebensweg und die Persönlichkeit Otto Körners, der zu den berühmtesten Medizinern gehört, die an der Universität Rostock gewirkt haben. Mehr noch: Otto Körner erscheint für die Ohren- und Kehlkopfheilkunde „mutatis mutandis“ von ähnlichem Zuschnitt wie Robert Koch für die Bakteriologie oder Rudolf Virchow für die Pathologie. Wie diese ist Otto Körner ein archetypischer Arzt, Forscher und Lehrer gewesen, der gleichermaßen in den Olymp seines Fachgebietes wie auch in ein Pantheon der Medizin gehört.

 

Das ansprechende, informative Buch ist aus einer Doktorarbeit entstanden und mit Abbildungen (teilweise aus Familienbesitz) sowie faksimilierten Urkunden und Schreiben bereichert. Das anziehende Titelbild von 1905 zeigt Otto Körner im Kreise von Oberschwester und drei weißbekleideten Herren mit wechselnder (einmal echt wilhelminischer) Barttracht.

 

Nach kurzer Schilderung der Entwicklung der HNO-Heilkunde wird Otto Körners Lebensweg in fünf Abschnitten (Ausbildung, Arzt Frankfurt am Main, Professor in Rostock, Forschungen zur Medizin der Antike, Verdienste um die Ohrchirurgie) mit zahlreichen Anhängen und Quellenhinweisen dargestellt. Die Bilder aus seinem Rektoratsjahr 1913/14 präsentieren das akademische Urgestein Körner in vollem Ornat, der Kaiser Wilhelm II. auf gleicher Augenhöhe begrüßt. 1929 ernennt die Philosophische Fakultät der Universität Rostock „Otto Körner, den eifrigen Vorkämpfer humanistischer Bestrebungen, in Anerkennung seiner Verdienste um die naturwissenschaftlichen, insbesondere der medizinischen Leistungen des griechischen Altertums, vor allem der Kunde Homers vom menschlichen Körper, ehrenhalber zum Doktor der Philosophie“. Über die Fakultätsgrenzen hinweg wurden damit die in zahlreichen Monographien und Aufsätzen niedergelegten Forschungen geehrt, die wir heute (nur noch) bewundern können.

 

Die Abschaffung des „Philosophicums“ zugunsten eines „Physicums“ für Medizinstudenten in Preußen 1861 (drei Jahre nach Otto Körners Geburt) hatte der humanistischen Bildung und den späteren medizinischen Altertumsforschungen des HNO-Wegbereiters keinen Abbruch getan. Passend dazu wird heute der Ruf nach einem „Tentamen philosophicum“ für Mediziner wieder laut (Deutsches Ärzteblatt, Heft 51-52/2010) sodass für kommende Ärztegenerationen neben Kraft auch Weisheitsliebe erhofft werden darf.

 

Die Lektüre der anmutigen Otto-Körner-Biografie kann dabei behilflich sein und sollte deshalb beispielhaft auch dem ärztlichen Nachwuchs empfohlen werden.